Qualifizierungsgeld 2026 – Die neue Förderung
Lohnersatzleistung für Beschäftigte, deren Arbeitsplatz durch Strukturwandel gefährdet ist.
Des Nettogehalts als Qualifizierungsgeld
§ 87a SGB III
Qualifizierungsgeld verfügbar
BMAS, 2024
Weiterbildungskosten übernommen
§ 87a SGB III
Der Belegschaft muss betroffen sein
§ 82a SGB III
Das Wichtigste in Kürze
Das Qualifizierungsgeld ist eine neue Lohnersatzleistung, die am 1. April 2024 eingeführt wurde
Richtet sich speziell an Beschäftigte, deren Arbeitsplatz durch Strukturwandel gefährdet ist
Zahlt 60-67% des pauschalierten Nettoentgelts während der Weiterbildung
Ergänzt das bestehende Qualifizierungschancengesetz (QCG) um eine zusätzliche Sicherungsoption
Was ist das Qualifizierungsgeld?
Das Qualifizierungsgeld ist eine Lohnersatzleistung ähnlich wie Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld. Es wurde am 1. April 2024 eingeführt, um Beschäftigte zu unterstützen, deren Arbeitsplatz durch den Strukturwandel gefährdet ist – etwa durch Digitalisierung, Automatisierung, KI-Einsatz oder die Transformation zur Klimaneutralität.
Der Unterschied zum regulären QCG:
Reguläres QCG
- •Für alle Beschäftigten
- •Arbeitgeber zahlt Gehalt weiter
- •BA übernimmt Weiterbildungskosten + Lohnkostenzuschuss
- •Präventiv für alle Strukturwandel-Szenarien
Qualifizierungsgeld
- •Für konkret gefährdete Arbeitsplätze
- •BA zahlt direkt an Beschäftigte (60-67%)
- •Arbeitgeber entlastet von Lohnkosten
- •Bei nachweisbarem Strukturwandel im Betrieb
Einfach erklärt:
Das Qualifizierungsgeld ist wie ein "Airbag" für Beschäftigte, deren Job sich durch den Wandel (z.B. durch KI, Automatisierung) massiv verändert oder wegfällt. Statt arbeitslos zu werden, können sie sich in Vollzeit weiterbilden und erhalten dabei ein gesichertes Einkommen von der Arbeitsagentur.
Wer hat Anspruch auf Qualifizierungsgeld?
Der Anspruch auf Qualifizierungsgeld ist an mehrere Bedingungen geknüpft:
1. Strukturwandel im Betrieb
Der Betrieb muss nachweisen, dass durch technologischen oder ökologischen Strukturwandel Arbeitsplätze gefährdet sind. Beispiele:
- • Einführung von KI und Automatisierung
- • Transformation zur E-Mobilität in der Automobilbranche
- • Umstellung auf klimaneutrale Produktion
- • Digitalisierung von Geschäftsprozessen
2. Konkrete Gefährdung des Arbeitsplatzes
Der individuelle Arbeitsplatz des Beschäftigten muss durch den Strukturwandel konkret gefährdet sein. Die Weiterbildung muss dazu dienen, den Arbeitsplatz zu sichern oder den Übergang in einen neuen Arbeitsplatz zu ermöglichen.
3. Mindestdauer der Weiterbildung
Die Weiterbildung muss mindestens 120 Unterrichtsstunden umfassen. Das entspricht etwa 3 Wochen in Vollzeit. Bei Teilzeit verlängert sich die Mindestdauer entsprechend.
4. Sozialversicherungspflicht
Der Beschäftigte muss sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein und in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.
5. AZAV-Zertifizierung
Die Weiterbildungsmaßnahme und der Bildungsträger müssen AZAV-zertifiziert sein, genau wie beim regulären QCG.
Wie viel Qualifizierungsgeld gibt es?
Die Höhe des Qualifizierungsgeldes orientiert sich am Arbeitslosengeld und beträgt:
Berechnungsgrundlage:
Das Qualifizierungsgeld wird auf Basis des durchschnittlichen Bruttoentgelts der letzten 12 Monate berechnet. Es wird pauschaliert versteuert und es fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an.
Praxisbeispiel: KI-Transformation
Situation: Marketing-Agentur führt KI-Tools ein
Unternehmen: Marketing-Agentur mit 80 Mitarbeitern
Situation: Die Agentur führt KI-gestützte Content-Erstellung und Automatisierung ein. Klassische Texter-Jobs fallen weg, neue Rollen als "AI Prompt Engineers" und "AI Content Strategists" entstehen.
Betroffene Mitarbeiterin: Sandra, 34 Jahre, Senior Texterin
Bruttogehalt: 3.800 € | Pauschaliertes Netto: ca. 2.470 € | Mit 1 Kind
Lösung: 6-monatige Weiterbildung zur "AI Content & Prompt Strategist"
💡 Kombination: Weiterbildungskosten über reguläres QCG + Qualifizierungsgeld für Lohnersatz
✅ Ergebnis:
Sandra behält ihren Job in neuer Rolle, die Agentur behält wertvolle Expertise, und die Transformation gelingt ohne betriebsbedingte Kündigungen.
Wie wird Qualifizierungsgeld beantragt?
Der Antrag auf Qualifizierungsgeld läuft ähnlich wie beim regulären QCG:
Beratung bei der Arbeitsagentur
Arbeitgeber kontaktiert den Arbeitgeber-Service der BA und klärt, ob die Voraussetzungen für Qualifizierungsgeld erfüllt sind.
Nachweis des Strukturwandels
Der Betrieb muss nachweisen, dass Arbeitsplätze durch Strukturwandel gefährdet sind (z.B. durch Gutachten, Betriebsvereinbarung, Transformation-Konzept).
Antrag stellen
Der Beschäftigte stellt den Antrag auf Qualifizierungsgeld bei der Arbeitsagentur. Der Arbeitgeber unterstützt mit Nachweisen und Bestätigungen.
Bewilligung und Start
Nach Bewilligung kann die Weiterbildung starten. Das Qualifizierungsgeld wird monatlich an den Beschäftigten ausgezahlt.
QCG vs. Qualifizierungsgeld im Vergleich
| Kriterium | Reguläres QCG | Qualifizierungsgeld |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten | Beschäftigte mit strukturwandelgefährdetem Arbeitsplatz |
| Finanzierung Gehalt | Arbeitgeber zahlt + erhält Lohnkostenzuschuss (0-75%) | BA zahlt direkt an Beschäftigte (60-67%) |
| Weiterbildungskosten | 15-100% je nach Betriebsgröße | ⚠ Trägt der Arbeitgeber selbst |
| Mindestdauer | 120 Unterrichtsstunden | 120 Tage (ca. 4 Monate) |
| Voraussetzung | Weiterbildung über derzeitige Tätigkeit hinaus | Nachweisbarer Strukturwandel + konkrete Gefährdung |
| Kombinierbar? | Ja – kann gemeinsam beantragt werden für maximale Förderung | |
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