Praxistipps & Karriereplanung

Recht auf Weiterbildung 2026

Welche gesetzlichen Ansprueche hast du auf Weiterbildung? Von Bildungsurlaub über das Qualifizierungschancengesetz bis zur Betriebsrat-Mitbestimmung — alle Rechte auf einen Blick.

14/16

Bundesländer mit Bildungsurlaub

DGB Bildungswerk, 2024

5 Tage

Bildungsurlaub pro Jahr (Standard)

Bildungsurlaubsgesetze der Länder

Bis 100%

Kostenuebernahme durch QCG

§ 82 SGB III

180.000+

QCG-geförderte Weiterbildungen p.a.

BA Geschaeftsbericht 2024

Deine Rechte auf Weiterbildung

Auch wenn es in Deutschland kein einzelnes 'Recht auf Weiterbildung'-Gesetz gibt, hast du als Beschäftigter oder Arbeitssuchender zahlreiche gesetzliche Ansprueche, die zusammen einen starken Rahmen für deine berufliche Entwicklung bilden. Viele dieser Rechte sind kaum bekannt — und werden deshalb nicht genutzt.

Vom Bildungsurlaub, der dir in den meisten Bundesländern 5 bezahlte Tage Freistellung pro Jahr garantiert, über das Qualifizierungschancengesetz, das bis zu 100% der Weiterbildungskosten übernimmt, bis zum neuen Weiterbildungsgesetz 2025 — wir zeigen dir alle Ansprueche, die du kennen solltest.

Deine gesetzlichen Ansprueche

Diese Gesetze und Regelungen sichern dein Recht auf Weiterbildung

Bildungsurlaub (Bildungsfreistellung)
In 14 von 16 Bundesländern hast du Anspruch auf 5 Tage bezahlten Bildungsurlaub pro Jahr. Dein Arbeitgeber zahlt dein Gehalt weiter, du trägst nur die Kursgebuehren. Bayern und Sachsen haben kein Bildungsurlaubsgesetz.
  • • 5 Tage pro Jahr (in den meisten Bundesländern)
  • • Voller Lohn- und Gehaltsanspruch
  • • Gilt für anerkannte Bildungsveranstaltungen
  • • Nicht in Bayern und Sachsen (dort freiwillige Arbeitgeber-Regelung)
Qualifizierungschancengesetz (QCG)
Seit 2019 können Beschäftigte über das QCG eine geförderte Weiterbildung erhalten. Die Agentur für Arbeit übernimmt bis zu 100% der Weiterbildungskosten und zahlt Lohnkostenzuschüsse an den Arbeitgeber.
  • • Bis 100% der Weiterbildungskosten uebernommen
  • • Bis 75% Lohnkostenzuschuss für Arbeitgeber
  • • Förderhoehe abhängig von Betriebsgröße
  • • Für alle Beschäftigten zugänglich
Weiterbildungsgesetz 2025
Das 2025 in Kraft getretene Weiterbildungsgesetz stärkt die Rechte von Beschäftigten auf Qualifizierung. Es erweitert den Zugang zu geförderten Weiterbildungen und führt das Qualifizierungsgeld ein.
  • • Erweiterter Zugang zu Weiterbildungsfoerderung
  • • Qualifizierungsgeld für von Strukturwandel betroffene Betriebe
  • • Vereinfachte Antragstellung
  • • Stärkere Beteiligung der Betriebsraete
Betriebsrat-Mitbestimmung
Der Betriebsrat hat nach § 96-98 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht bei Weiterbildungsmassnahmen. Er kann Weiterbildungen vorschlagen, bei der Auswahl mitbestimmen und sogar Maßnahmen durchsetzen.
  • • Ermittlung des Weiterbildungsbedarfs (§ 96 BetrVG)
  • • Vorschlagsrecht für Weiterbildungen (§ 96 Abs. 2 BetrVG)
  • • Mitbestimmung bei Maßnahmen (§ 97 BetrVG)
  • • Erzwingbare Weiterbildung bei Betriebsaenderungen (§ 97 Abs. 2 BetrVG)
Freistellung für Prüfungen
Auszubildende und Beschäftigte in anerkannten Fortbildungen haben Anspruch auf bezahlte Freistellung für Prüfungen. Das gilt für IHK-, HWK- und andere gesetzlich geregelte Prüfungen.
  • • Bezahlte Freistellung am Prüfungstag
  • • Gilt für IHK- und HWK-Prüfungen
  • • Auch für Vorbereitungstag bei Abschlusspruefungen
  • • Geregelt in § 15 BBiG und § 37 HwO
Bildungsgutschein-Anspruch
Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen können einen Bildungsgutschein beantragen. Die Agentur für Arbeit übernimmt die gesamten Kosten der Weiterbildung plus Lebenshaltungskosten.
  • • 100% der Weiterbildungskosten uebernommen
  • • Zusätzlich Weiterbildungsgeld (150 Euro/Monat)
  • • Für Arbeitslose und von Kündigung Bedrohte
  • • Ermessensleistung nach § 81 SGB III

Bildungsurlaub nach Bundesländern

Wo und wie viel Bildungsurlaub dir zusteht

01

5 Tage pro Jahr (Standard)

Die meisten Bundesländer gewaehren 5 Tage Bildungsurlaub pro Jahr bei einer 5-Tage-Woche. Der Anspruch kann oft auf 2 Jahre zusammengefasst werden (10 Tage alle 2 Jahre).

  • • Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen
  • • Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW
  • • Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt
  • • Schleswig-Holstein, Thüringen
02

Baden-Württemberg: Sonderregelung

Baden-Württemberg hat seit 2015 ein Bildungszeitgesetz. 5 Tage pro Jahr, aber mit besonderen Regelungen für Betriebe unter 10 Mitarbeitern und einer Wartezeit von 12 Monaten.

  • • 5 Tage pro Jahr
  • • Wartezeit: 12 Monate Betriebszugehoerigkeit
  • • Betriebe unter 10 MA: Eingeschraenkter Anspruch
  • • Gilt für berufliche und politische Bildung
03

Bayern & Sachsen: Kein Gesetz

Bayern und Sachsen haben kein Bildungsurlaubsgesetz. Hier hängt Bildungsurlaub allein von der Kulanz des Arbeitgebers oder von tarifvertraglichen Regelungen ab.

  • • Kein gesetzlicher Anspruch
  • • Tarifvertraege können Bildungsurlaub vorsehen
  • • Individuelle Vereinbarung mit Arbeitgeber möglich
  • • Viele Arbeitgeber gewaehren freiwillig Freistellung

Qualifizierungschancengesetz nutzen

Das QCG ist eine der stärksten Förderungen für Beschäftigte in Deutschland. Dein Arbeitgeber beantragt die Förderung direkt bei der Arbeitsagentur. QCG einfach erklärt: Alle Details

Bildungsurlaub in allen 16 Bundesländern

Vollständige Übersicht: Wer hat wie viele Tage Anspruch und auf welcher Rechtsgrundlage?

Bildungsurlaub in allen 16 Bundesländern
Vollständige Übersicht: Wer hat wie viele Tage Anspruch und auf welcher Rechtsgrundlage?
Baden-Württemberg
5 Tage/Jahr
BzG BW 2015
Bayern
Kein Anspruch
—
Berlin
10 Tage in 2 Jahren
BiUrlG Berlin
Brandenburg
10 Tage in 2 Jahren
BbgWBG
Bremen
10 Tage in 2 Jahren
BremBZG
Hamburg
10 Tage in 2 Jahren
HmbBUG
Hessen
5 Tage/Jahr
HBUG
Mecklenburg-Vorpommern
5 Tage/Jahr
BfG M-V
Niedersachsen
5 Tage/Jahr
NBildUG
Nordrhein-Westfalen
5 Tage/Jahr
AWbG NRW
Rheinland-Pfalz
10 Tage in 2 Jahren
BFG RLP
Saarland
6 Tage in 2 Jahren
SBFG
Sachsen
Kein Anspruch
—
Sachsen-Anhalt
5 Tage/Jahr
BfG LSA
Schleswig-Holstein
5 Tage/Jahr
BFG SH
Thüringen
5 Tage/Jahr
ThürBfG
Individuelle Beratung empfohlen

Die Finanzierung ist immer individuell. Lass dich von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter beraten, um die beste Förderung für deine Situation zu finden.

Die rechtlichen Grundlagen im Detail

Das Recht auf Weiterbildung setzt sich in Deutschland aus mehreren Gesetzen zusammen, die ineinandergreifen. Wer seine Ansprüche kennt, hat die besseren Karten — sowohl im Gespräch mit dem Arbeitgeber als auch bei der Durchsetzung vor dem Arbeitsgericht. Im Folgenden findest du alle wichtigen Rechtsgrundlagen im Überblick.

Besonders wichtig: Die einzelnen Rechtsgrundlagen lassen sich kombinieren. Du kannst z.B. den Bildungsurlaub für eine Weiterbildung nutzen, die gleichzeitig über § 82 SGB III gefördert wird. Auch tarifvertragliche Ansprüche stehen zusätzlich zu den gesetzlichen Rechten.

Gesetzliche Paragrafen im Überblick

Die wichtigsten Rechtsnormen für dein Recht auf Weiterbildung

§ 82 SGB III — Qualifizierungschancengesetz
Regelt die Förderung von Beschäftigten durch die Agentur für Arbeit. Kernstück für die staatliche Weiterbildungsförderung während der Beschäftigung.
  • • Voraussetzung: Berufsabschluss, der mindestens 4 Jahre zurückliegt
  • • Förderung: 25-100% der Weiterbildungskosten je nach Betriebsgröße
  • • Lohnkostenzuschuss: 15-75% für den Arbeitgeber
  • • Dauer: Weiterbildung muss mehr als 120 Stunden umfassen
§ 81 SGB III — Weiterbildungsförderung
Grundlage des Bildungsgutscheins für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte. Ermessensleistung mit hohen Bewilligungsquoten bei guter Begründung.
  • • Für Arbeitslose und Bedrohte zugänglich
  • • 100% Kostenübernahme möglich (AZAV-zertifizierte Maßnahmen)
  • • Zusätzlich Weiterbildungsgeld (150 Euro/Monat)
  • • Weiterbildungsprämie bis 2.500 Euro bei bestandenen Prüfungen
§ 96-98 BetrVG — Betriebsverfassungsgesetz
Regelt die Mitbestimmung des Betriebsrats bei Weiterbildungen. Einer der stärksten kollektivrechtlichen Hebel für Beschäftigte in Deutschland.
  • • § 96: Bedarfsermittlung gemeinsam mit Arbeitgeber
  • • § 97: Mitbestimmung bei Einrichtung und Durchführung
  • • § 97 Abs. 2: Erzwingbare Weiterbildung bei Tätigkeitswandel
  • • § 98: Mitbestimmung bei Auswahl der Teilnehmer
§ 15 BBiG & § 37 HwO
Freistellungsansprüche für Prüfungen nach Berufsbildungs- und Handwerksordnung. Gelten für Azubis und Teilnehmer anerkannter Fortbildungen.
  • • Bezahlte Freistellung am Prüfungstag
  • • Freistellung für direkten Vorbereitungstag
  • • Gilt für IHK- und HWK-Prüfungen
  • • Auch für externe Prüfungsteilnehmer
Bildungsurlaubsgesetze der Länder
14 Landesgesetze regeln den Anspruch auf bezahlten Bildungsurlaub. Bayern und Sachsen haben keine gesetzliche Regelung, hier greifen nur tarifliche oder individuelle Vereinbarungen.
  • • Bezahlte Freistellung: 5 Tage/Jahr im Standard
  • • Anerkennung der Veranstaltung durch Landesamt nötig
  • • Antragsfrist meist 6-9 Wochen vor Kursbeginn
  • • Ansammlung auf 10 Tage in 2 Jahren möglich
EU-Weiterbildungsrecht & Erasmus+
Europäische Förderinstrumente für grenzüberschreitende Weiterbildung. Erasmus+ finanziert Sprach- und Fachweiterbildungen im EU-Ausland.
  • • Erasmus+ für Beschäftigte (Key Action 1)
  • • Europass zur Anerkennung von Kompetenzen
  • • European Digital Skills & Jobs Platform
  • • EU-Recht auf Weiterbildungsfreistellung in Planung

Tarifverträge mit Weiterbildungsrechten

Gewerkschaften haben in vielen Branchen zusätzliche Ansprüche erkämpft

IG Metall — Tarifvertrag Bildungsteilzeit
In der Metall- und Elektroindustrie bietet der Tarifvertrag Bildungsteilzeit umfassende Rechte: Bis zu 7 Jahre reduzierte Arbeitszeit für Qualifizierung mit Lohnausgleich durch die BA.
Ver.di — Bildungsförderung Dienstleistung
Ver.di-Tarifverträge in Handel, Finanzen und Öffentlichem Dienst regeln oft 5-10 Tage bezahlte Freistellung pro Jahr, zusätzlich zum gesetzlichen Bildungsurlaub.
TV-L / TVöD — Öffentlicher Dienst
Im Öffentlichen Dienst regelt § 5 TV-L/TVöD umfassende Qualifizierungsansprüche. Weiterbildungen im dienstlichen Interesse werden voll bezahlt und zeitlich angerechnet.

Freistellung für Prüfungen

Für IHK- und HWK-Prüfungen besteht ein gesetzlicher Anspruch auf bezahlte Freistellung nach § 15 BBiG bzw. § 37 HwO — sowohl für den Prüfungstag selbst als auch für den direkten Vorbereitungstag. Das gilt auch für externe Teilnehmer anerkannter Fortbildungen wie Meister, Fachwirt oder Betriebswirt. Wichtig: Die Freistellung muss rechtzeitig schriftlich beantragt werden.

Anspruch durchsetzen — 5 Schritte

So gehst du systematisch vor, wenn dein Arbeitgeber sich querstellt

01

Eigenen Anspruch recherchieren

Prüfe, welche Rechte dir konkret zustehen: Bildungsurlaubsgesetz deines Bundeslandes, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, § 82 SGB III. Sammle alle relevanten Rechtsgrundlagen.

  • • Bildungsurlaubsgesetz deines Bundeslandes checken
  • • Tarifvertrag und Betriebsvereinbarung einsehen
  • • Passende Maßnahme finden (AZAV-zertifiziert)
  • • Anerkennung als Bildungsurlaub prüfen
02

Formellen Antrag an Arbeitgeber

Stelle einen schriftlichen Antrag mit ausreichender Vorlaufzeit. Bildungsurlaub: mindestens 6-9 Wochen vorher. § 82 SGB III: gemeinsamer Antrag mit Arbeitgeber an Agentur für Arbeit.

  • • Schriftform mit Datumsangabe
  • • Konkrete Bezeichnung der Maßnahme
  • • Anerkennungsbescheid des Trägers beilegen
  • • Angabe der Rechtsgrundlage (Gesetz/Tarif)
03

Verhandlung und Kompromiss

Bei Bedenken des Arbeitgebers: Suche den Dialog. Alternative Termine, Teilnahme an Wochenenden oder halbtägige Freistellung können helfen, Vorbehalte zu entkräften.

  • • Gespräch mit Vorgesetztem suchen
  • • Alternative Terminvorschläge machen
  • • Nutzen für den Betrieb herausstellen
  • • Kompromiss schriftlich festhalten
04

Betriebsrat einschalten

Bei Weigerung oder Hinhaltetaktik: Der Betriebsrat hat Mitbestimmungsrechte nach § 96-98 BetrVG. Er kann vermitteln und Druck aufbauen — oft reicht schon das Gespräch zu dritt.

  • • Betriebsrat über Fall informieren
  • • Unterstützung durch BR-Vorsitz einholen
  • • Gegebenenfalls Einigungsstelle anrufen
  • • Bei Gewerkschaftsmitgliedern: Hilfe der Gewerkschaft
05

Rechtlich klären lassen

Letzte Eskalationsstufe: Arbeitsgerichtliche Klärung. Besonders bei Bildungsurlaub erfolgreich, da der Anspruch gesetzlich klar geregelt ist. Fachanwalt für Arbeitsrecht einschalten.

  • • Fachanwalt für Arbeitsrecht konsultieren
  • • Klage beim Arbeitsgericht prüfen
  • • Gewerkschaftlicher Rechtsschutz nutzen
  • • Einstweilige Verfügung bei Zeitdruck

Muster-Anschreiben für deinen Antrag

Formulierungsvorlagen für unterschiedliche Situationen

Muster 1: Formeller Antrag (Bildungsurlaub)
Für den klassischen Antrag auf Bildungsurlaub bei einem größeren Arbeitgeber. Klare, sachliche Formulierung mit allen rechtlichen Bezügen.
  • • Betreff: Antrag auf Bildungsurlaub gemäß [Gesetz Ihres Bundeslandes]
  • • Einleitung: 'Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name], hiermit beantrage ich Bildungsurlaub nach § X [Gesetz] für die Zeit vom [Datum] bis [Datum].'
  • • Kursdetails: Name der Veranstaltung, Bildungsträger, Anerkennungsnummer des Landesamtes
  • • Schlussformel: 'Den Anerkennungsbescheid sowie das Programm lege ich bei. Ich bitte um schriftliche Bestätigung bis [Datum + 2 Wochen].'
Muster 2: Informelles Gesuch (QCG)
Für kleinere Betriebe oder wenn ein konstruktiver Dialog mit der Führungskraft möglich ist. Fokus auf gegenseitigen Nutzen.
  • • Betreff: Anfrage zur Weiterbildungsförderung nach § 82 SGB III
  • • Einleitung: 'Liebe/r [Vorname], ich möchte mich beruflich weiterentwickeln und habe eine interessante Qualifizierungsmöglichkeit gefunden.'
  • • Mehrwert: Konkreter Nutzen für das Team/Unternehmen durch die neuen Kompetenzen
  • • Ausblick: 'Die Agentur für Arbeit übernimmt [X]% der Kosten, wir müssten nur den Antrag gemeinsam stellen. Wann passt ein Gespräch dazu?'

Was tun bei Ablehnung?

Eine Ablehnung ist kein Endpunkt — nutze die 5-stufige Eskalation, um deinen Anspruch durchzusetzen.

Stufe 1: Rückfrage und Klärung

Bitte um schriftliche Begründung der Ablehnung. Oft handelt es sich um Missverständnisse oder fehlende Informationen, die sich im direkten Gespräch ausräumen lassen.

Stufe 2: Alternative Termine anbieten

Wenn der Ablehnungsgrund betriebliche Engpässe sind: Schlage einen späteren Termin vor. Gesetzlich muss der Arbeitgeber Bildungsurlaub innerhalb von 4 Monaten gewähren.

Stufe 3: Betriebsrat einschalten

Der Betriebsrat kann nach § 96-98 BetrVG vermitteln. Oft reicht schon das Gespräch zu dritt, um eine Einigung zu erzielen. Bei Pattsituation kann eine Einigungsstelle entscheiden.

Stufe 4: Gewerkschaftlicher Rechtsschutz

Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlosen Rechtsschutz. Die Gewerkschaft prüft den Fall und kann ein anwaltliches Schreiben oder eine Klage für dich einleiten.

Stufe 5: Arbeitsgerichtliche Klage

Letzter Schritt: Klage beim Arbeitsgericht. Besonders bei Bildungsurlaub erfolgreich, da der Anspruch klar geregelt ist. Einstweilige Verfügung bei zeitlicher Dringlichkeit möglich.

EU-Weiterbildungsrecht & Erasmus+

Das EU-Recht stärkt zunehmend die Weiterbildungsansprüche von Beschäftigten. Besonders relevant: Erasmus+ für Erwachsenenbildung ermöglicht Weiterbildungen und Jobshadowing im EU-Ausland — mit Zuschüssen für Reise, Unterkunft und Teilnahmegebühren. Der Europass sorgt dafür, dass deine erworbenen Kompetenzen europaweit anerkannt werden. In Planung: Eine EU-weite Richtlinie zu Mindestweiterbildungsansprüchen für alle Arbeitnehmer.

6 häufige Fehler beim Antrag auf Bildungsurlaub

Diese Stolperfallen kosten dich deinen rechtlichen Anspruch — auch wenn die Voraussetzungen eigentlich erfüllt wären.

1. Antrag zu spät gestellt

Bildungsurlaub muss in den meisten Bundesländern 6-9 Wochen vorher beantragt werden. Wer die Frist versäumt, hat keinen Rechtsanspruch mehr — selbst wenn der Arbeitgeber generell zustimmen würde.

2. Nicht-anerkannte Veranstaltung gewählt

Nur Veranstaltungen, die vom Landesamt als Bildungsurlaub anerkannt sind, können geltend gemacht werden. Die Liste anerkannter Träger findest du auf der Website deines Bundeslandes.

3. Rechtsgrundlage nicht benannt

Im Antrag muss die konkrete gesetzliche Grundlage stehen (z.B. § 7 AWbG NRW). Fehlt dieser Hinweis, kann der Arbeitgeber die Anfrage als bloße Urlaubsbitte behandeln.

4. Anerkennungsbescheid nicht beigefügt

Zum Antrag gehört der Anerkennungsbescheid des Landesamtes (oder des Bildungsträgers). Ohne diesen Nachweis kann der Arbeitgeber die Freistellung rechtmäßig ablehnen.

5. Wartezeit missachtet

In vielen Bundesländern gilt eine Wartezeit von 6-12 Monaten Betriebszugehörigkeit. In der Probezeit besteht in der Regel kein Anspruch auf Bildungsurlaub.

6. Ansparen ohne Ankündigung

Wer seinen Anspruch auf 2 Jahre ansammeln will (10 Tage auf einmal), muss das frühzeitig ankündigen. Ohne Absprache kann der Arbeitgeber auf jährliche Nutzung bestehen.

Wichtige Urteile aus der Rechtsprechung

Drei Entscheidungen, die dein Recht auf Weiterbildung gestärkt haben

Fall 1: BAG 19.1.2022 — Anspruch auch bei Online-Kursen
Das Bundesarbeitsgericht bestätigte: Auch Online-Weiterbildungen sind bildungsurlaubsfähig, solange sie vom Landesamt anerkannt sind. Der Arbeitgeber darf Online-Formate nicht pauschal ablehnen.
  • • Aktenzeichen: 9 AZR 518/20
  • • Kernaussage: Präsenzpflicht keine Voraussetzung
  • • Auswirkung: Öffnung für reine E-Learning-Formate
  • • Praxis: Anerkennungsbescheid bleibt entscheidend
Fall 2: LAG Köln 2020 — Zeitliche Gestaltung
Das Landesarbeitsgericht Köln entschied: Arbeitgeber muss Bildungsurlaub innerhalb von 4 Monaten gewähren, wenn der beantragte Termin aus betrieblichen Gründen nicht passt. Reine Ablehnung ohne Alternativtermin ist rechtswidrig.
  • • Aktenzeichen: 11 Sa 1058/19
  • • Kernaussage: Dreipartiteninteressenabwägung
  • • Auswirkung: Betriebliche Gründe müssen konkret sein
  • • Praxis: Alternativvorschlag durch Arbeitgeber obligatorisch
Fall 3: BAG 2019 — Erzwingbare Qualifizierung
Das BAG stärkte die Rolle des Betriebsrats: Bei wesentlichen Tätigkeitsänderungen durch Digitalisierung kann der Betriebsrat nach § 97 Abs. 2 BetrVG Weiterbildungsmaßnahmen durchsetzen — auch gegen den Willen des Arbeitgebers.
  • • Aktenzeichen: 1 ABR 65/17
  • • Kernaussage: Erzwingbare Mitbestimmung
  • • Auswirkung: Starkes Instrument bei Transformation
  • • Praxis: Betriebsrat als zentraler Akteur

Häufig gestellte Fragen: Recht auf Weiterbildung

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu gesetzlichen Anspruechen auf Weiterbildung

Ein allgemeines 'Recht auf Weiterbildung' gibt es in Deutschland nicht als einzelnes Gesetz. Es gibt aber mehrere gesetzliche Ansprueche, die zusammen einen starken Rahmen bilden: Bildungsurlaub (in 14 von 16 Bundesländern), das Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte, den Bildungsgutschein für Arbeitslose, Freistellung für Prüfungen und die Mitbestimmung des Betriebsrats bei Weiterbildungen.

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