Vergleiche & Entscheidungshilfen

Fernstudium vs. Abendstudium

Berufsbegleitend studieren — aber wie? Beide Wege führen zum akademischen Abschluss, passen aber zu sehr unterschiedlichen Lebensmodellen. Unser Vergleich hilft bei der Entscheidung.

178.000

Fernstudierende in DE

Statistisches Bundesamt, 2024

~40%

Abbruchquote Fernstudium

DZHW, 2024

15–20h

Wochenpensum neben dem Beruf

FernUni Hagen, 2024

8 Sem.

Typische Bachelor-Dauer

Hochschulrahmen, 2024

Studium und Beruf vereinen — aber wie?

Mehr als jeder vierte Studierende in Deutschland arbeitet neben dem Studium — Tendenz steigend. Wer sich erst nach der Ausbildung für ein Hochschulstudium entscheidet, steht vor einer zentralen Frage: Fernstudium oder Abendstudium?

Fernstudium bedeutet: maximale Flexibilität, zu Hause lernen, Zeit und Ort selbst bestimmen. Ideal für Schichtarbeiter, Eltern und Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Abendstudium hingegen heißt: abends oder am Wochenende zur Hochschule, feste Gruppe, regelmäßige Vorlesungen, persönlicher Austausch mit Dozenten.

Beide Modelle führen zu vollwertigen Bachelor- und Master- Abschlüssen mit identischer Anerkennung. Die Frage ist nur: Welches Format passt zu deinem Leben, Lernstil und Beruf?

Fernstudium vs. Abendstudium im Direktvergleich

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Fernstudium vs. Abendstudium im Direktvergleich
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Ort des Lernens
Überwiegend zu Hause
Hochschule / Campus
Zeitliche Flexibilität
Sehr hoch (asynchron)
Gering (feste Termine)
Lernformat
Skripte, Online-Kurse, E-Learning
Präsenzvorlesungen abends / am Wochenende
Regelstudienzeit Bachelor
8 Semester (Teilzeit)
8–10 Semester
Regelstudienzeit Master
4–6 Semester
4–6 Semester
Kosten Bachelor gesamt
9.000–15.000 €
3.000–18.000 €
Präsenzpflicht
Wenige Pflichttage pro Semester
Mehrere Abende / Wochenende wöchentlich
Soziale Interaktion
Gering bis mittel (online)
Hoch (feste Lerngruppe)
Selbstdisziplin nötig
Sehr hoch
Hoch
Beliebte Anbieter
IU, FernUni Hagen, Wilhelm Büchner, SRH
Hochschulen vor Ort, VHS-Hochschulen
Individuelle Beratung empfohlen

Die Finanzierung ist immer individuell. Lass dich von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter beraten, um die beste Förderung für deine Situation zu finden.

So funktioniert ein Fernstudium

Beim Fernstudium ist der Name Programm: Du studierst überwiegend aus der Ferne, meist von zu Hause aus. Die Lehrmaterialien — Skripte, Lernvideos, Online-Kurse, Podcasts — erhältst du digital oder per Post. Vorlesungen kannst du live online besuchen oder als Aufzeichnung nachholen.

Prüfungen finden entweder als Online-Klausuren (oft mit Live- Beaufsichtigung, sogenanntem Proctoring) oder an wenigen Präsenztagen pro Semester in einem Zentrum in deiner Nähe statt. Die Regelstudienzeit für einen Bachelor liegt bei 6–8 Semestern (Teilzeit), kann aber individuell verkürzt oder verlängert werden.

Bekannte Anbieter sind die staatliche FernUniversität Hagen (rund 76.000 Studierende, günstigster Anbieter), die IU Internationale Hochschule (größter privater Anbieter) sowie Wilhelm Büchner Hochschule und SRH Fernhochschule. Alle führen zu anerkannten Abschlüssen.

Vorteile des Fernstudiums

Zeitunabhängig lernen
Du bestimmst selbst, wann du lernst. Ideal für Schichtarbeiter, Eltern oder Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten.
Ortsunabhängig
Egal, ob du umziehst, auf Weltreise bist oder in ländlichen Gebieten wohnst — dein Studium geht immer mit.
Modernste Lernplattformen
Hochmoderne E-Learning-Systeme, interaktive Videos, Online-Tutorials und Lern-Apps machen Lernen flexibel.
Individuelles Tempo
Wer schneller lernt, kann Module frühzeitig abschließen. Wer mehr Zeit braucht, verlängert ohne Probleme.

Grenzen des Fernstudiums

Hohe Eigenverantwortung
Ohne feste Struktur fällt es vielen schwer, dranzubleiben. Die Abbruchquote ist höher als bei Präsenzstudiengängen.
Weniger persönlicher Kontakt
Networking ist schwieriger, soziale Einbindung geringer. Für manche ein KO-Kriterium, für andere kein Problem.
Gefühl der Isolation
Wer gerne in Gruppen lernt und diskutiert, kann sich isoliert fühlen. Online-Lerngruppen lindern das nur teilweise.

So funktioniert ein Abendstudium

Ein Abendstudium ist ein berufsbegleitendes Präsenzstudium, bei dem die Vorlesungen typischerweise an 2–3 Abenden pro Woche sowie an Samstagen stattfinden. Du gehst real zur Hochschule, triffst dieselben Kommilitoninnen und Kommilitonen über Jahre hinweg und lernst im klassischen Hörsaal-Format.

Das Abendstudium bietet eine feste Struktur: Semesterplan, klare Termine, gemeinsame Lerngruppen und direkter Zugang zu Bibliotheken, Laboren und Sprechstunden. Der persönliche Kontakt zu Dozentinnen und Dozenten ist oft enger — sie kennen dich und deinen Lernfortschritt.

Angeboten wird das Abendstudium primär von staatlichen Hochschulen in größeren Städten sowie von spezialisierten Abend-Hochschulen. Die Kosten variieren: Staatliche Hochschulen verlangen oft nur den Semesterbeitrag (ca. 300 Euro), private Hochschulen können mehrere Tausend Euro kosten. Beide Formate sind gleich anerkannt.

Vorteile des Abendstudiums

Feste Lerngruppe
Du lernst mit derselben Gruppe über Jahre — das schafft intensive Beziehungen, Studierenden-Freundschaften und Karriere-Netzwerk.
Persönlicher Dozentenkontakt
Direkter Austausch mit Professorinnen und Professoren. Fragen werden sofort beantwortet, Feedback ist unmittelbar.
Klare Struktur
Feste Termine schaffen Verbindlichkeit. Wer Probleme mit Selbstorganisation hat, profitiert davon enorm.
Lokale Hochschulbindung
Du bleibst mit deiner Heimatregion verbunden. Bibliothek, Labore und Mentoring sind vor Ort verfügbar.

Grenzen des Abendstudiums

Feste Zeitblöcke
Mindestens 2–3 Abende pro Woche oder ganze Wochenenden sind belegt. Das ist bei Schichtarbeit oder Familie oft schwierig.
Ortsbindung
Du musst regelmäßig zur Hochschule pendeln. Umzug während des Studiums kann problematisch sein.
Eingeschränkte Anbieterauswahl
Nicht jede Stadt hat passende Abendstudienangebote — besonders in Nischenfächern ist die Auswahl begrenzt.

Für wen eignet sich welches Format?

Deine Lebenssituation und dein Lerntyp entscheiden

Fernstudium ist richtig, wenn …
… du sehr flexibel lernen musst (Schichtarbeit, Kinder, häufige Dienstreisen), in einer kleinen Gemeinde wohnst oder maximale Kontrolle über dein Lerntempo willst. Ideal für selbstdisziplinierte Menschen mit klarem Ziel.
Abendstudium ist richtig, wenn …
… du regelmäßige Arbeitszeiten hast, in einer Großstadt wohnst, gerne in festen Gruppen lernst und persönlichen Austausch schätzt. Perfekt für strukturliebende Lerntypen, die Routine brauchen.
Lokale Faktoren
Abendstudium setzt voraus, dass die passende Hochschule in erreichbarer Nähe liegt. In ländlichen Regionen ist das Fernstudium oft die einzige realistische Option.
Karriereziel
Für einen Master, der neben dem Beruf machbar ist, bieten beide Formate vielfältige Optionen. Internationale Karriere? Fernstudium macht räumliche Wechsel unkompliziert.

In fünf Schritten zur richtigen Entscheidung

So gehst du strukturiert bei der Studienwahl vor

1

Eigene Lebenssituation analysieren

Grundlegend

Wie flexibel ist dein Arbeitsalltag? Familie? Pendelzeiten? Die ehrliche Bestandsaufnahme bestimmt das passende Format.

2

Studiengang wählen

Wichtig

Nicht jeder Studiengang wird in beiden Formaten angeboten. Bestimmte Fächer sind nur als Fernstudium machbar, andere nur in Präsenz.

3

Hochschulen vergleichen

2–4 Wochen

Preise, Prüfungsformate, Anerkennung und Reputation variieren stark. Staatliche Hochschulen sind meist günstiger als private.

4

Probephase nutzen

4 Wochen

Viele Fernstudienanbieter bieten eine vierwöchige kostenlose Probephase. Nutze sie ohne Vertrag.

5

Finanzierung klären

4–8 Wochen

Aufstiegs-BAföG für Master, Stipendien, Bildungskredit, Arbeitgeberbeteiligung — alles vorab prüfen.

Tipp: Probephase nutzen

Viele Fernstudienanbieter gewähren eine kostenlose Probephase von 4 Wochen. In dieser Zeit kannst du das Lernmaterial prüfen, dich mit der Lernplattform vertraut machen und einschätzen, ob das Format zu dir passt. Wenn nicht, kündigst du ohne Kosten. Für weitere Infos zur Selbstorganisation beim berufsbegleitenden Studieren, siehe unseren Ratgeber Online vs. Präsenz Weiterbildung.

Häufige Fehler bei der Wahl

Diese Stolperfallen solltest du kennen

Flexibilität des Fernstudiums überschätzen
Fernstudium heißt nicht 'wann ich will' — Prüfungen sind fix, Fristen hart. Wer glaubt, alles frei einteilen zu können, scheitert oft.
Abendstudium als 'leichter' einschätzen
Wer drei Abende pro Woche im Hörsaal sitzt und Klausuren schreibt, unterschätzt schnell die Doppelbelastung mit dem Beruf.
Nur auf Marken achten
Nicht jede private Fernhochschule ist besser als eine staatliche. FernUni Hagen ist günstiger und ebenso anerkannt wie viele Private.
Finanzierung verschätzen
Ein Fernstudium kostet 9.000 bis 15.000 Euro. Ohne klare Finanzierung drohen Probleme. Aufstiegs-BAföG ist für Master möglich.
Abbruchrisiko ignorieren
30-40 Prozent brechen Fernstudien ab — oft wegen fehlender Selbstdisziplin. Wer sich nicht sicher ist, sollte mit dem Abendstudium starten.

Erfolgsgeschichten: So gelingt es anderen

Zwei Wege, die zum Ziel führen

Sandra, 33: Fernstudium mit zwei Kindern
Sandra arbeitet Teilzeit in der Pflege und studiert parallel Gesundheitsmanagement im Fernstudium. Flexibilität ist ihr alles — sie lernt abends und am Wochenende, wenn die Kinder schlafen. Nach fünf Jahren: Bachelor.

Details:

  • Format: Fernstudium (B.A. Gesundheitsmanagement)
  • Dauer: 5 Jahre berufsbegleitend
  • Kosten: 12.000 Euro (Arbeitgeberbeteiligung)
  • Jetzt: Leitung Qualitätsmanagement
Kevin, 28: Abendstudium BWL im Herzen Berlins
Kevin wohnt in Berlin und studiert abends BWL an einer Hochschule. Drei Abende pro Woche im Hörsaal. Der feste Rhythmus und die Gruppen-Dynamik halten ihn motiviert — nach acht Semestern der Bachelor.

Details:

  • Format: Abendstudium (B.Sc. BWL)
  • Dauer: 8 Semester nebenberuflich
  • Kosten: 8.500 Euro (staatliche Hochschule)
  • Jetzt: Junior Consultant in Unternehmensberatung

Häufig gestellte Fragen zu Fernstudium vs. Abendstudium

Die wichtigsten Antworten zum berufsbegleitenden Studieren

Der wichtigste Unterschied ist die zeitliche und örtliche Flexibilität: Beim Fernstudium lernst du überwiegend zu Hause, zeitlich flexibel und asynchron — oft mit nur wenigen Pflicht-Präsenztagen pro Semester. Beim Abendstudium gehst du dagegen regelmäßig abends oder am Wochenende zur Hochschule vor Ort. Die Lehre findet im klassischen Hörsaal statt, mit festen Terminen und fester Gruppe. Beide Formate sind berufsbegleitend und führen zu vollwertigen Hochschulabschlüssen.

Finde dein passendes Studienmodell

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