Förderung & Finanzierung

Zweiten Bildungsgutschein beantragen — geht das?

Ja, ein zweiter Bildungsgutschein ist möglich! Erfahre, welche Voraussetzungen gelten, wann es sinnvoll ist und wie du deinen Berater überzeugst.

Kein Limit

gesetzliche Obergrenze

§ 81 SGB III

100%

Kostenübernahme

BA Geschäftsbericht 2024

150€

Weiterbildungsgeld/Monat

§ 87a SGB III

0 Tage

Mindest-Wartezeit

BA Arbeitsmarktbericht 2024

Kann man mehrere Bildungsgutscheine bekommen?

Ja, es gibt keine gesetzliche Obergrenze für die Anzahl der Bildungsgutscheine, die du im Laufe deines Berufslebens erhalten kannst. Der Bildungsgutschein ist eine Ermessensleistung nach § 81 SGB III — jeder Antrag wird individuell geprüft.

Entscheidend für den zweiten Bildungsgutschein ist, dass du erneut die Voraussetzungen erfüllst und überzeugend darlegen kannst, warum eine weitere Weiterbildung für deine berufliche Zukunft notwendig ist. Ob Aufbaukurs, neues Berufsfeld oder fehlende Zusatzqualifikation — es gibt viele gute Gründe für einen zweiten Bildungsgutschein.

Voraussetzungen für den zweiten Bildungsgutschein

Diese Kriterien prüft dein Berater beim erneuten Antrag

Erste Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen
Der wichtigste Faktor: Hast du die erste geförderte Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen? Ein erfolgreicher Abschluss zeigt deinem Berater, dass du motiviert bist und die Förderung sinnvoll genutzt hast.
  • • Erfolgreicher Abschluss stärkt deine Argumentation deutlich
  • • Abschlusszeugnis oder Zertifikat als Nachweis
  • • Auch bei vorzeitigem Ende aus wichtigem Grund möglich
  • • Abbruch ohne Grund erschwert den zweiten Antrag erheblich
Neue Notwendigkeit nachweisen
Wie beim ersten Bildungsgutschein muss die Notwendigkeit der Weiterbildung nachgewiesen werden. Du musst deinem Berater erklären, warum eine weitere Qualifizierung für deine berufliche Eingliederung erforderlich ist.
  • • Arbeitsmarktlage hat sich verändert
  • • Aufbauqualifikation für bessere Jobchancen
  • • Erster Abschluss reicht nicht für den Wunschberuf
  • • Branchenwechsel erfordert neue Kompetenzen
Beratungsgespräch führen
Auch für den zweiten Bildungsgutschein ist ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit Pflicht. Dein Berater prüft erneut, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und ob die Weiterbildung deine Jobchancen verbessert.
  • • Persönliches Beratungsgespräch ist Pflicht
  • • Gleiche Prüfkriterien wie beim ersten Antrag
  • • Berater berücksichtigt Erfahrung aus erster Weiterbildung
  • • Eigeninitiative und Motivation zeigen
AZAV-zertifizierter Kurs erforderlich
Wie beim ersten Bildungsgutschein muss der gewählte Kurs von einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger angeboten werden. Die Maßnahme selbst muss ebenfalls zugelassen sein.
  • • AZAV-Zertifizierung bleibt Pflicht
  • • Kurs muss zum neuen Bildungsziel passen
  • • Gleicher oder anderer Bildungsträger möglich
  • • Prüfung über Kursnet der Arbeitsagentur

Keine gesetzliche Wartezeit

Es gibt keine vorgeschriebene Wartezeit zwischen zwei Bildungsgutscheinen. Theoretisch kannst du direkt nach Abschluss einer Weiterbildung einen neuen Gutschein beantragen. In der Praxis empfiehlt es sich jedoch, zunächst 3–6 Monate aktiv nach Arbeit zu suchen — das stärkt deine Argumentation, falls die Jobsuche erfolglos bleibt.

Wann ist ein zweiter Bildungsgutschein sinnvoll?

Typische Situationen, in denen eine erneute Förderung Sinn ergibt

Aufbaukurs für tiefere Spezialisierung
Du hast eine Grundausbildung abgeschlossen und möchtest dich spezialisieren. Beispiel: Nach der Weiterbildung zum IT-Grundlagen-Spezialisten folgt eine Spezialisierung auf Cloud Computing oder Cybersecurity.
Neues Berufsfeld nach gescheiterter Jobsuche
Trotz erfolgreicher erster Weiterbildung findest du keinen Job in diesem Bereich. Ein zweiter Bildungsgutschein für ein anderes Berufsfeld kann neue Türen öffnen — besonders in Mangelberufen.
Fehlende Zusatzqualifikation ergänzen
Arbeitgeber verlangen oft Zusatzqualifikationen, die deine erste Weiterbildung nicht abgedeckt hat. Beispiel: SAP-Zertifizierung zusätzlich zur kaufmännischen Ausbildung oder Sprachkurs für internationale Positionen.
Berufliche Veränderung nach einigen Jahren
Mehrere Jahre nach der ersten geförderten Weiterbildung hat sich der Arbeitsmarkt verändert. Neue Technologien oder ein anderer Karrierewunsch machen eine erneute Qualifizierung sinnvoll.

So überzeugst du deinen Berater

6 Tipps für eine erfolgreiche Argumentation beim Beratungsgespräch

Arbeitsmarktdaten vorlegen
Recherchiere offene Stellen in deinem neuen Zielberuf und lege sie dem Berater vor. Zeige konkret, welche Qualifikationen gefordert werden und warum du sie noch nicht hast.
Zusammenhang zur ersten Weiterbildung erklären
Erkläre, warum die zweite Weiterbildung auf der ersten aufbaut oder warum eine neue Richtung nötig ist. Eine logische Argumentation überzeugt den Berater.
Kursangebot mitbringen
Bringe ein konkretes Angebot eines AZAV-zertifizierten Bildungsträgers zum Gespräch mit. Das zeigt Eigeninitiative und beschleunigt die Bearbeitung deines Antrags.
Bewerbungsbemühungen dokumentieren
Zeige, dass du dich aktiv um Arbeit bemüht hast und welche Rückmeldungen du bekommen hast. Wenn Arbeitgeber eine bestimmte Qualifikation verlangen, die du noch nicht hast, stärkt das deine Argumentation.
Engpassberufe als Argument nutzen
Weiterbildungen in Engpassberufen (IT, Pflege, Handwerk, erneuerbare Energien) werden deutlich leichter bewilligt. Nutze die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit als Argumentationshilfe.
Erfolg der ersten Weiterbildung betonen
Wenn du die erste Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen hast, betone das. Es zeigt dem Berater, dass du die Förderung ernst nimmst und die Investition sich lohnt.

Nach Abbruch der ersten Weiterbildung

Ein Abbruch der ersten Weiterbildung ohne wichtigen Grund erschwert den zweiten Antrag erheblich. Dein Berater wird die Gründe genau prüfen. Bei nachvollziehbaren Gründen (Krankheit, familiärer Notfall) stehen die Chancen besser. Mehr zum Antragsprozess findest du in unserem Ratgeber zum Bildungsgutschein beantragen.

Rechtliche Lage: Ist ein 2. Bildungsgutschein möglich?

§ 81 SGB III kennt keine numerische Obergrenze — aber klare Prüfkriterien

§ 81 SGB III — Förderung der beruflichen Weiterbildung
Rechtsgrundlage für den Bildungsgutschein ist § 81 SGB III. Das Gesetz sieht keine numerische Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl Bildungsgutscheine vor. Jede Förderung ist eine Ermessensleistung, die individuell geprüft wird.
  • • Keine gesetzliche Obergrenze für Wiederholungen
  • • Ermessensentscheidung des Sachbearbeiters
  • • Rechtsanspruch bei erfüllten Voraussetzungen
  • • Gleichbehandlung wie beim ersten Antrag
Notwendigkeit der Weiterbildung erneut nachweisen
Für den zweiten Bildungsgutschein musst du — wie beim ersten — nachweisen, dass die Weiterbildung für deine berufliche Eingliederung notwendig ist. Die Hürde ist identisch, die Argumentation muss jedoch den neuen Kontext berücksichtigen.
  • • Arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht
  • • Qualifikationslücke schriftlich darstellen
  • • Stellenangebote als Nachweis beifügen
  • • Bezug zur ersten Weiterbildung erklären
AZAV-Zertifizierung gilt unverändert
Auch der zweite Bildungsgutschein kann nur für AZAV-zertifizierte Kurse eingelöst werden. Der Bildungsträger muss eine Trägerzulassung haben, die Maßnahme eine gültige Maßnahmenummer.
  • • AZAV-Trägerzulassung prüfen
  • • Gültige Maßnahmenummer erforderlich
  • • Prüfung über KURSNET oder mein NOW
  • • Auch Online- und Hybrid-Kurse möglich
Keine gesetzliche Wartezeit zwischen Bildungsgutscheinen
Es gibt keine Pflicht-Wartezeit zwischen zwei Bildungsgutscheinen. Theoretisch kannst du direkt nach Abschluss der ersten Weiterbildung einen zweiten beantragen. In der Praxis erwarten Berater jedoch eine nachweisbare Jobsuche von 3–6 Monaten.
  • • Keine Sperrzeit zwischen Maßnahmen
  • • Aber: 3–6 Monate Jobsuche stärken den Antrag
  • • Dokumentiere Bewerbungen und Absagen
  • • Bei Abbruch: längere Wartezeit realistisch

Ermessensleistung — keine Garantie

Der zweite Bildungsgutschein ist eine Ermessensentscheidung des Sachbearbeiters. Auch wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, gibt es keinen automatischen Rechtsanspruch. Je überzeugender deine Begründung (konkrete Qualifikationslücke, Bewerbungsbilanz, Kursangebot mit Maßnahmenummer), desto höher die Bewilligungschance. Lies auch unseren Ratgeber zur Begründung beim Bildungsgutschein.

5 Gründe, die akzeptiert werden

Diese fünf Situationen führen erfahrungsgemäß häufig zur Bewilligung

Erfolgreicher Abschluss + logischer nächster Schritt
Du hast die erste Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen und möchtest dich spezialisieren. Beispiel: Nach der Umschulung zum IT-Administrator folgt die Spezialisierung auf Cloud-Security oder DevOps. Berater bewilligen solche aufbauenden Maßnahmen häufig, weil die Investition sich in besseren Jobchancen auszahlt.
  • • Erste Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen
  • • Neue Qualifikation baut logisch auf bisheriger auf
  • • Arbeitsmarkt fordert tiefere Spezialisierung
  • • Höhere Gehalts- und Karriereperspektive
Quereinstieg gescheitert — neues Berufsfeld
Trotz erfolgreich abgeschlossener erster Weiterbildung findest du keinen Job im neuen Beruf. Nachweisbar erfolglose Bewerbungen, Marktsättigung oder regionale Engpässe sind starke Argumente für einen zweiten Bildungsgutschein in einem anderen Berufsfeld — idealerweise in einem Engpassberuf.
  • • Mindestens 3–6 Monate aktive Jobsuche
  • • 20+ dokumentierte Bewerbungen
  • • Schriftliche Rückmeldungen / Absagen
  • • Alternative: Engpassberuf mit besseren Chancen
Gesundheitliche Einschränkungen
Nach Abschluss der ersten Weiterbildung treten gesundheitliche Probleme auf, die den gelernten Beruf unmöglich machen. Mit einem ärztlichen Attest oder einer sozialmedizinischen Stellungnahme kann ein zweiter Bildungsgutschein bewilligt werden — oft in Kombination mit Leistungen der Rentenversicherung.
  • • Ärztliches Attest oder Gutachten
  • • Sozialmedizinische Stellungnahme des Ärztlichen Dienstes
  • • Kombination mit Rentenversicherung möglich
  • • Neuer Beruf muss gesundheitlich zumutbar sein
Marktentwicklung — der Beruf verliert Perspektive
Technologische Veränderungen, Automatisierung oder Strukturwandel lassen deinen Beruf in einer Sackgasse enden. Mit Daten zur Arbeitsmarktlage (z.B. Engpassanalyse der BA) kannst du nachweisen, dass ein Berufswechsel vernünftig ist.
  • • Engpassanalyse der BA als Nachweis
  • • Stellenangebotsstatistik im Zielberuf
  • • Hinweise auf Strukturwandel/Automatisierung
  • • Zukunftsfähige Branchen als neues Ziel
Regionaler Umzug aus zwingenden Gründen
Nach einem Umzug (Partnerschaft, Pflege von Angehörigen, neue Lebenssituation) ist der gelernte Beruf am neuen Wohnort nicht gefragt. Wenn der Umzug nachweisbar notwendig war, wird ein zweiter Bildungsgutschein oft akzeptiert — besonders für regional gefragte Engpassberufe.
  • • Nachweis des Umzugsgrundes (Familie, Pflege)
  • • Statistik regionaler Engpässe und Chancen
  • • Bewerbungen im alten Beruf am neuen Ort
  • • Anpassungsqualifizierung als Alternative prüfen

Wartezeiten und Sperrzeiten

Wie Vorgeschichte, Abschluss und Abbruch die Wartezeit beeinflussen

Nach erfolgreichem Abschluss: Keine Wartezeit
Hast du die erste Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen, kannst du theoretisch direkt einen zweiten Bildungsgutschein beantragen. In der Praxis verlangen Berater jedoch meist eine Übergangsphase mit aktiver Jobsuche — typisch sind 3–6 Monate.
Nach Abbruch aus wichtigem Grund
Ein Abbruch wegen Krankheit, familiärem Notfall oder anderer anerkannter Gründe beeinträchtigt den zweiten Antrag nicht zwangsläufig. Voraussetzung: Die Gründe sind dokumentiert (ärztliches Attest, Nachweise). Eine kurze Wartezeit von 3 Monaten ist realistisch.
Nach Abbruch ohne Grund: Hohe Hürde
Wurde die erste Weiterbildung ohne anerkannten Grund abgebrochen, ist der zweite Bildungsgutschein erheblich schwieriger zu bekommen. Berater erwarten häufig eine Wartezeit von 12–24 Monaten, in der du aktive Jobsuche oder Praktika nachweist.
Sperrzeit bei Weigerung (§ 159 SGB III)
Wer eine angebotene zumutbare Weiterbildung grundlos ablehnt, riskiert eine Sperrzeit nach § 159 SGB III. Das kann auch Einfluss auf spätere Anträge haben. Eine sachliche Begründung für die Ablehnung ist wichtig, um spätere Zweitanträge nicht zu gefährden.

Sperrzeit vermeiden

Eine Sperrzeit nach § 159 SGB III kann nicht nur deinen laufenden Leistungsbezug kürzen, sondern auch spätere Anträge erschweren. Lehne angebotene Maßnahmen nie pauschal ab, sondern begründe sachlich, warum eine bestimmte Maßnahme nicht passt — und schlage eine Alternative vor.

Muster-Begründungen für den Zweitantrag

Drei Textvorlagen für typische Situationen — anpassbar an deine individuelle Lage

Vorlage 1
Muster 1: Aufbauqualifikation nach Ersterfolg
'Nach erfolgreichem Abschluss meiner Umschulung zum Fachinformatiker im Juni 2025 konnte ich in vier Monaten aktiver Bewerbung drei Absagen dokumentieren. In allen Fällen wurde mir eine fehlende Spezialisierung auf Cloud-Technologien rückgemeldet. Eine ergänzende Weiterbildung 'AWS Certified Solutions Architect' würde diese konkrete Lücke schließen und meine Vermittlungschancen deutlich erhöhen.'

Wichtige Elemente:

  • Bezug zum ersten Abschluss herstellen
  • Konkrete Jobsuche-Bilanz nennen
  • Qualifikationslücke benennen
  • Zielkurs mit Begründung anführen
Vorlage 2
Muster 2: Gesundheitlich bedingter Berufswechsel
'Aus gesundheitlichen Gründen (siehe beiliegendes Attest, Dr. Müller, 15.09.2025) kann ich meinen erlernten Beruf als Pflegekraft nicht mehr ausüben. Der Ärztliche Dienst bestätigt die fehlende körperliche Eignung für schwere Tätigkeiten. Eine Umschulung zum Medizinischen Fachangestellten wäre körperlich verträglich und erhält meinen Branchenbezug.'

Wichtige Elemente:

  • Ärztliches Attest als Anlage
  • Konkrete Einschränkungen benennen
  • Neuer Beruf muss zumutbar sein
  • Branchenkenntnis als Vorteil betonen
Vorlage 3
Muster 3: Umzug und regionaler Arbeitsmarkt
'Aufgrund der Pflege meines erkrankten Vaters bin ich im August 2025 von Hamburg nach München-Ost umgezogen. Mein erlernter Beruf als Hafenlogistiker hat in Bayern keinen Arbeitsmarkt (siehe BA-Engpassanalyse). Die 18 Bewerbungen im erweiterten Umfeld blieben erfolglos. Eine Umschulung zum Fachwirt für Güterverkehr und Logistik eröffnet neue regionale Perspektiven.'

Wichtige Elemente:

  • Umzugsgrund dokumentieren
  • Regionale Engpassdaten beifügen
  • Bewerbungsbilanz am neuen Ort
  • Neuer Beruf mit lokaler Nachfrage

Erfolgsrezept: So argumentierst du richtig

7 Praxis-Tipps, mit denen dein Zweitantrag überzeugt

Tipp 1: Engpassberuf wählen
Weiterbildungen in Engpassberufen (IT, Pflege, Handwerk, erneuerbare Energien, Logistik) werden deutlich häufiger bewilligt. Nutze die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit als Argumentationshilfe und wähle einen Zielberuf mit nachweislicher Arbeitsmarktrelevanz.
Tipp 2: Bewerbungsbilanz dokumentieren
Führe eine lückenlose Liste aller Bewerbungen: Datum, Firma, Position, Ergebnis. Mindestens 15–20 dokumentierte Bewerbungen im alten Beruf zeigen aktive Eigeninitiative. Kopiere Absagen mit der Begründung 'fehlende Spezialisierung auf X' — das sind starke Argumente.
Tipp 3: Kursangebot mit Maßnahmenummer mitbringen
Gehe mit einem konkreten Kursangebot (inklusive Maßnahmenummer, Startdatum, Kosten) ins Beratungsgespräch. Das zeigt dem Sachbearbeiter, dass du dich informiert hast und die Förderung ernst nimmst. Der Kurs muss AZAV-zertifiziert und für deinen Zielberuf passend sein.
Tipp 4: Lücke zum Zielberuf konkret benennen
Stellenanzeigen analysieren und daraus die fehlenden Qualifikationen ableiten. Formuliere konkret: 'Arbeitgeber XY fordert Erfahrung in SAP S/4HANA — diese Kompetenz fehlt mir, und der gewählte Kurs schließt genau diese Lücke.' Konkret schlägt allgemein.
Tipp 5: Erfolg der ersten Weiterbildung hervorheben
Ein guter Abschluss der ersten Weiterbildung ist dein wichtigstes Pfund. Erwähne die Abschlussnote, Besonderheiten (z.B. Bestleistung, Praktikum, Projektarbeit). Das zeigt: Du nimmst Förderung ernst und lieferst Ergebnisse.
Tipp 6: Zeitliche Planung realistisch darstellen
Zeige einen klaren Zeitplan: Wann beginnt der Kurs, wann endet er, wann willst du in Beschäftigung? Bei Teilzeitvarianten zeigen, dass die Gesamtdauer nicht ausufert. Eine realistische Planung gibt Sicherheit.
Tipp 7: Persönliche Motivation authentisch formulieren
Sachlich bleiben, aber persönliche Motivation zeigen. Warum gerade dieser Beruf? Welche Erfahrungen prägen deine Entscheidung? Eine authentische Geschichte in 3–5 Sätzen hinterlässt einen besseren Eindruck als Floskeln.

Tipp: Schriftliche Begründung mitbringen

Tipp: Schreibe deine Begründung vor dem Beratungsgespräch auf maximal einer A4-Seite nieder und bringe sie mit. Das zeigt Eigeninitiative und gibt dem Sachbearbeiter eine Grundlage für die Aktenführung. Mit einem vorformulierten Text vergisst du im Gespräch keine wichtigen Argumente.

Beispiele erfolgreicher Zweitanträge

Drei echte Fälle zeigen, wie der Weg zum zweiten Bildungsgutschein aussehen kann

Bewilligt
Fall 1: IT-Support → Data Engineer (Bewilligt)
Markus (34) absolvierte 2023 eine 12-monatige Weiterbildung zum IT-Support-Spezialisten, fand aber nur Helpdesk-Stellen mit niedrigem Gehalt. Mit einem konkreten Kursangebot für Data Engineering (IU Academy, Maßnahmenummer vorhanden) und einer Bewerbungsbilanz von 24 Bewerbungen erhielt er nach 5 Monaten Jobsuche den zweiten Bildungsgutschein.
  • Zeitraum: 6 Monate zwischen den Maßnahmen
  • Bewerbungen im alten Beruf: 24 dokumentiert
  • Zielberuf: Engpassberuf mit Gehaltsplus
  • Ergebnis: Bewilligt in der zweiten Beratungssitzung
Bewilligt
Fall 2: Pflegekraft → Pflegemanagement (Bewilligt)
Anja (41) arbeitete 18 Jahre in der Altenpflege. Nach einem Bandscheibenvorfall und der IHK-Umschulung zur Pflegefachkraft entschied sie sich aus gesundheitlichen Gründen für einen Zweitantrag auf eine Weiterbildung 'Pflegedienstleitung (IHK)'. Mit ärztlichem Gutachten und Stellenangeboten aus der Region wurde der Antrag bewilligt.
  • Ärztliches Gutachten als Kernargument
  • Weiterführende Qualifikation (Leitungsebene)
  • Engpassberuf in der gesamten Region
  • Ergebnis: Bewilligung nach 4 Wochen
Bewilligt
Fall 3: Gesellen-Abschluss → Meisterprüfung (Bewilligt)
Frank (29) absolvierte 2024 eine Umschulung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Nach Abschluss suchte er aktiv Arbeit, erhielt aber keine Zusage, weil in der Region viele Betriebe einen Meistertitel voraussetzen. Mit einer Bewerbungsbilanz und einem Meisterkurs-Angebot (Maßnahmenummer vorhanden) wurde ein zweiter BG genehmigt — in Kombination mit Aufstiegs-BAföG.
  • 3 Monate erfolglose Jobsuche nach erster Weiterbildung
  • Regionales Argument: Meisterpflicht im Betrieb
  • Kombination mit Aufstiegs-BAföG möglich
  • Ergebnis: Bewilligung nach persönlichem Gespräch

Alternativen, wenn der 2. Bildungsgutschein abgelehnt wird

Vier Wege zur Finanzierung, wenn die Agentur für Arbeit ablehnt

Aufstiegs-BAföG (AFBG)
Für Fortbildungsabschlüsse wie Meister, Techniker, Fachwirt oder Betriebswirt. Bis zu 15.000€ Lehrgangskosten werden bezuschusst (50% Zuschuss, 50% zinsgünstiges Darlehen). Bei bestandener Prüfung: 50% Darlehenserlass. Unabhängig von der Arbeitslosigkeit, auch für Beschäftigte nutzbar.
Arbeitgeber-finanzierte Weiterbildung
Frage bei deinem aktuellen oder einem potenziellen Arbeitgeber nach einer Übernahme. Über das Qualifizierungschancengesetz (QCG) können Arbeitgeber 15–100% der Kurskosten erstattet bekommen. Viele Firmen bieten interne Weiterbildungsbudgets oder Bildungsurlaub an.
Selbstfinanzierung mit Ratenzahlung
Viele Bildungsträger bieten Ratenzahlungsmodelle ohne Zinsen. Steuerlich kannst du die Kosten als Werbungskosten in voller Höhe absetzen. Bei fehlendem Einkommen während der Maßnahme: Verlustvortrag in Folgejahre nutzen.
Widerspruch gegen Ablehnung
Gegen die Ablehnung eines zweiten Bildungsgutscheins kannst du innerhalb von 4 Wochen schriftlich Widerspruch einlegen. Liefere zusätzliche Argumente, Stellenangebote und Bewerbungsnachweise. Ein qualifizierter Widerspruch hat realistische Erfolgsaussichten.

Kombi-Strategie: Mehrere Förderwege

Bei einer Ablehnung musst du nicht auf deine Weiterbildung verzichten. Viele Kandidaten kombinieren Aufstiegs-BAföG, Arbeitgeber-Beiträge und steuerliche Absetzbarkeit zu einer Mischfinanzierung. Lass dich unverbindlich beraten — oft ergeben sich Lösungen, die beim ersten Blick nicht offensichtlich sind.

Häufig gestellte Fragen zum zweiten Bildungsgutschein

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um mehrere Bildungsgutscheine und erneute Anträge

Ja, grundsätzlich ist es möglich, einen zweiten oder sogar dritten Bildungsgutschein zu erhalten. Es gibt keine gesetzliche Obergrenze für die Anzahl der Bildungsgutscheine. Entscheidend ist, dass die Voraussetzungen erneut erfüllt sind: Du musst arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sein, und die Weiterbildung muss für deine berufliche Eingliederung notwendig sein.

Zweiten Bildungsgutschein sichern

Du möchtest eine weitere geförderte Weiterbildung starten? Ein AZAV-zertifizierter Bildungsträger berät dich kostenlos und hilft dir bei der Argumentation gegenüber deinem Berater.