
Hochvolttechniker:in werden durch Weiterbildung
Spezialist für Hochvoltsysteme in Elektrofahrzeugen und E-Mobilität.
Das Berufsbild Hochvolttechniker:in
Hochvolttechniker:innen sind die Spezialist:innen für elektrische Systeme mit hohen Spannungen - insbesondere in der Elektromobilität. Sie arbeiten an Batteriesystemen, Elektromotoren und Ladeinfrastruktur und sorgen für den sicheren Umgang mit Hochvoltkomponenten. Mit dem rasanten Wachstum der E-Mobilität gehört dieser Beruf zu den zukunftsträchtigsten im technischen Bereich.
Als Hochvolttechniker:in bist du auf Systeme mit Spannungen über 60V DC bzw. 30V AC spezialisiert - typischerweise im Bereich von 400 bis 800 Volt in modernen Elektrofahrzeugen. Du arbeitest an Traktionsbatterien, Wechselrichtern, Elektromotoren und Ladeinfrastruktur. Sicherheit steht dabei an erster Stelle: Du kennst die besonderen Gefahren von Hochvoltsystemen und beherrschst die vorgeschriebenen Schutz- und Freischaltverfahren.
Ein typischer Arbeitstag
Der Tag beginnt mit einer Sicherheitsunterweisung für ein neues Projekt. Vormittags führst du eine Diagnose an der Traktionsbatterie eines Elektrofahrzeugs durch - du prüfst Zellspannungen, Isolationswiderstände und das Batteriemanagementsystem. Nach der Mittagspause nimmst du eine neue Ladesäule in Betrieb und prüfst die Kommunikation mit dem Backend-System. Am Nachmittag schulst du Werkstattmitarbeiter:innen im sicheren Umgang mit Hochvoltkomponenten.
Typische Aufgaben im Arbeitsalltag
Batteriediagnose und -reparatur
Du prüfst Traktionsbatterien mit speziellen Diagnosegeräten, analysierst Zellzustände, Temperaturverteilung und Kapazitätsverluste. Bei Defekten tauschst du Module oder Zellen unter Einhaltung strenger Sicherheitsprotokolle. Du arbeitest mit Batteriemanagementsystemen (BMS) und kennst die Chemie hinter Lithium-Ionen-Zellen.
Freischalten und Sichern von Hochvoltsystemen
Bevor du an Hochvoltkomponenten arbeitest, führst du die vorgeschriebene Freischaltprozedur durch: Spannungsfreiheit herstellen, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen. Diese Schritte sind lebenswichtig und müssen lückenlos dokumentiert werden.
Ladeinfrastruktur und Energiemanagement
Du installierst und wartest AC- und DC-Ladesäulen, konfigurierst Lastmanagementsysteme und prüfst die Kommunikation über OCPP-Protokoll. Du verstehst die Zusammenhänge zwischen Netzanschluss, Ladeleistung und Batteriemanagement.
Elektromotoren und Leistungselektronik
Du prüfst und wartest Wechselrichter, Elektromotoren und DC/DC-Wandler. Du kennst die Funktionsweise von permanenterregten Synchronmotoren und Asynchronmotoren sowie die zugehörige Leistungselektronik.
Sicherheit und Normeneinhaltung
Du arbeitest nach den Vorgaben der DGUV Information 209-093 und den relevanten DIN-VDE-Normen. Du führst Isolationsmessungen durch, prüfst Schutzeinrichtungen und stellst sicher, dass alle Arbeiten den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen.
Kompetenzen & Fähigkeiten
Fachliche Kompetenzen
Persönliche Stärken
Welche Voraussetzungen brauchst du?
Dein Weg zum/zur Hochvolttechniker:in
Eine Weiterbildung in Hochvolttechnik vermittelt den sicheren Umgang mit Hochvoltsystemen, Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität.
Dauer
2 bis 6 Monate (je nach Qualifizierungsstufe und Anbieter)
Abschluss
Trägerinternes Zertifikat, Hochvolt-Qualifizierung Stufe 2S/3S nach DGUV
Förderung
100% förderbar über Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters (AZAV-zertifiziert)
Gehalt als Hochvolttechniker:in
In der Automobilindustrie und bei Ladeinfrastruktur-Anbietern liegen die Gehälter höher. Die Hochvolt-Qualifizierung ist ein messbarer Gehaltsvorteil gegenüber Standard-Elektrikern.
Karrierepfad & Perspektiven
Hochvolt-Fachkraft (Stufe 2S)
Einstieg mit Arbeiten an freigeschalteten Hochvoltsystemen unter Anleitung
Hochvolttechniker:in (Stufe 3S)
Eigenständiges Arbeiten an Hochvoltsystemen, Freischaltberechtigung, Diagnose und Reparatur
Senior Hochvolttechniker:in / Spezialist:in
Spezialisierung auf Batterieentwicklung, Ladeinfrastruktur oder Antriebssysteme
Teamleitung / Projektleitung E-Mobilität
Führung von Technikteams, Projektmanagement für Hochvolt-Projekte
Die Elektromobilität wächst rasant - bis 2035 sollen in der EU nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Der Bedarf an Hochvolttechniker:innen steigt entsprechend stark. Neben der Automobilbranche bieten auch Energieversorger, Ladeinfrastruktur-Anbieter und die stationäre Batteriespeicherung exzellente Perspektiven.
Trends & Zukunftsaussichten
Bidirektionales Laden (V2G/V2H) eröffnet neue Anwendungsfelder. Solid-State-Batterien versprechen höhere Energiedichte und kürzere Ladezeiten. Ultaschnellladen mit 800V-Architektur wird Standard. Stationäre Großspeicher für die Energiewende schaffen zusätzliche Tätigkeitsfelder. Die Brennstoffzellentechnologie ergänzt die Batterietechnik im Schwerlastbereich.
Passende Weiterbildungen
Weiterbildungen im Bereich Handwerk & Industrie, die dich auf den Beruf Hochvolttechniker:in vorbereiten
3D-Druck / additive Fertigung
Additive Fertigungsverfahren und 3D-Druck-Technologien erlernen
Arbeitssicherheit
Arbeitsschutz und Sicherheitsvorschriften fachgerecht umsetzen
CNC-Technik
CNC-Programmierung und computergesteuerte Fertigung erlernen
Elektrotechnik & SPS
Elektrotechnik und SPS-Programmierung praxisnah erlernen
Lean Production
Schlanke Produktionsprozesse und Effizienzsteigerung umsetzen
Mechatronik
Mechanik, Elektronik und Informatik interdisziplinaer verbinden
Arbeitsorte & Branchen
Typische Arbeitsorte
Typische Branchen
Häufig gestellte Fragen zum Beruf Hochvolttechniker:in
Alles, was du über diesen Karriereweg wissen solltest
Die DGUV definiert Stufen für den Umgang mit Hochvoltsystemen: Stufe 1S (Sensibilisierung), Stufe 2S (Arbeiten an freigeschalteten Systemen) und Stufe 3S (Arbeiten unter Spannung und Freischaltberechtigung). Für eigenständiges Arbeiten als Hochvolttechniker:in ist mindestens Stufe 2S erforderlich.
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